The fusion of Digitalisation and Sustainability: Guest article

The fusion of Digitalisation and Sustainability: Guest article

Happy about my first English article on Corporate Digital Responsibility. It is an opportunity to share ideas and thoughts with a larger community of entrepreneurs and managers. Many thanks to Rob Price, who provides this platform and has supported me.

The article has the title „The fusion of Digitalisation and Sustainability: Existing tools and new fields of action combine to Corporate Digital Responsibility“ and you can find it here https://corporatedigitalresponsibility.co.uk/blog/f/the-fusion-of-digitalisation-and-sustainability

The article provides five reasons why it is worthwhile for entrepreneurs and leaders to take a look at the  convergence of digitalisation and sustainability in more detail.

  • Digitalisation and sustainability are key areas of influence for the global economy.
  • Digitalisation promotes sustainability.
  • Digitalisation is itself a challenge for fair, just and environmentally friendly development.
  • Digital business has its own „undesirable side effects“ and creates risks for society and companies.
  • Corporate responsibility is evolving into Corporate Digital Responsibility.

This is the translated and slightly adapted English version of an article published on in the FAZ Magazin Verantwortung and here 2019. The German article „Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken“ is available here https://wiseway.de/digitalisierung-und-nachhaltigkeit-zusammen-denken/.

Looking forward to comments!

8 Gründe für eine Corporate Digital Responsibility

8 Gründe für eine Corporate Digital Responsibility

Diese acht Gründe zeigen auf, weshalb sich Corporate Digital Responsibility jetzt für Unternehmen lohnt. Es handelt sich um Zahlen und Fakten aus aktuellen Studien. Sie zeigen die Chancen eines Wettbewerbsvorteils als Arbeitgeber, als Geschäftspartner und als „good corporate citizen“. Mit enormem Potenzial für Gesellschaft und Nachhaltigkeit. Was für ihr Unternehmen erfolgsversprechend ist, dazu berate ich Sie gerne!Zahlen und Fakten zu Corporate Digital Reponsibility

  1. 76% Der CEOs  sind der Meinung, Vertrauen ist ein kritischer T reiber für Wettbewerbsfähigkeit. (1)
  2. 79 % der KI-Entwickler*Innen sorgen sich um die gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Arbeit. (3)
  3. 53 % der Bürger*Innen meinen, Unternehmen kommen ihrer digitalen Verantwortung (eher) nicht nach. (5)
  4. Nur 25 % der Unternehmen arbeiten bisher an ausformulierten Leitlinien zur digitalen Ethik und Verantwortung. (2)
  5. 10% aller Jobs in Europa sind bedroht durch Automatisierung & COVID-19 verdrängt zu werden. (4)
  6. 61% der Deutschen würden aufhören bei einem Unternehmen zu kaufen, dass ihre Daten nicht adäquat schützt. (6)
  7. 4 % der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto der Digitalisierung. (7)
  8. 12  Billionen US Dollar  neue Umsätze und Kosteneinsparung durch  Tech für Nachhaltigkeit in 2030. (8)

Quellen

(1) United Nations Global Compact (2020) Leadership for the decade of action. Russel Raynolds Associates.
(2) PricewaterhouseCoopers (2020) Digitale Ethik.
(3) Miller C Coldicutt R(2019) People, Power and Technology. The Tech workers view.  London: Doteveryone.
(4) McKinsey Global Institute (2020) The future of work in Europe.
(5) Thorun C, Kettner SE, Johannes Merck J (2018) Ethik in der Digitalisierung. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.
(6) Veritas (2018) Global Data Privacy Consumer-Studie.
(7) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2020): Umweltpolitische Digitalagenda.
(8) SustainAbility (2017) 2030 Vision Full Report. 2030Vision Global Goals Technology Forum.

NRW startete mit KMU in die digitale Verantwortung

NRW startete mit KMU in die digitale Verantwortung

Über 130 Interessierte nahmen am CSR.digital Online-Frühstück am 2. Juli zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Erfolgskriterien teil. Das zeigt, auf welch große Resonanz das Thema stösst! Eine Kurzumfrage zu Anfang ergab: Für 80 % der TeilnehmerInnen ist digitale Verantwortung eine Nutzung der Digitalisierung für Nachhaltigkeit. Gefolgt von Datensicherheit und Qualiifzierung von Mitarbeitenden für jeweils 65% der TeilnehmerInnen. Eine so enge Verknüpfung von digitaler Verantwortung mit Nachhaltigkeit hätte ich nicht erwartet. Andererseits war dies sicherlich auch die Antwort, die am umfassendsten unterschiedliche Aspekte einer digitalen Verantwortung berührte.

Im Folgenden fasse ich die Veranstaltung mit dem Fokus auf meine Position und Präsentation zusammen. Begrüßt wurden die TeilnehmerInnen durch eine Videobotschaft von Professor Andreas Pinkwart, Wirtschafts- und Digitalminister des Landes NRW. Er wies auf die positiven wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Effekte der Digitalisierung hin, aber auch auf ihre Nebenwirkungen. Es gehe auch darum, diese im Blick zu behalten. Aufgrund des technischen Fortschritt sei dies eine „Daueraufgabe“. (Sobald das Video online ist, werde ich es hier verlinken.)

Einen tieferen Einstieg in das Thema gaben Wolfgang Trefzger von der IHK NRW sowie Professor Barbara Weißenberger von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Beide Institutionen sind Partner des CSCP in diesem Projekt. Dabei wurde betont, dass es bei Digitalisierung zwar zum einen um das Geschäftsmodell und die Produktangebote gehe, aber zum anderen auch um die Art und Weise des Wirtschaftens. Für Unternehmen sei eine veranwortungsvolle Wirtschaftsweise ein wesentliche Voraussetzung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es gehe um eine strategische Ausrichtung des Unternehmens vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Zukunftsentwurfs.

Im Anschluss gab es eine von Patrick Bottermann, CSCP, moderierte Diskussion mit den Experten Dr. Myriam Jahn, CEO Q-loud und Expertin für Internet of Things, Roland M. Schüren, Inhaber von „Ihr Bäcker Schüren“, Stephan Grabmaier, Experte für New Work, Innovation und Nachhaltigkeit und meiner Wenigkeit als Expertin für Digital Responsibility.

Meine Position in aller Kürze:

  • Das Konzept der „Corporate Digital Responsibility“ (CDR) bildet einen Handlungsrahmen für Unternehmen, den Anforderungen von Digitalisierung für Nachhaltigkeit systematisch zu begegnen.
  • Es handelt sich um freiwillige Aktivitäten zum Wohle von Mensch, Gemeinschaft und unserem Planeten – aber auch mit dem Ziel eines Mehrwert für Unternehmen, einem positiven Business Case für digitale Nachhaltigkeit.
  • Corporate Digital Responsibility fragt einerseits nach neuen Chancen und andererseits nach den Wirkungen der Digitalisierung in den vier Handlungsfeldern der CSR: Gemeinwohl, Mitarbeitende, Markt & Kunden, Umwelt & Klima.
  • Mit den dargestellten Leitfragen können sich KMU einer Digitalisierung mit Verantwortung annehmen.
  • Durch die Dilemmata und Zielkonflikte zwischen wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und umweltschonendem Handeln entsteht Innovationspotenzial, dass auf einen europäischen Weg der Digitalisierung einzahlt..
  • Mehr und mehr Unternehmen erkennen das und integrieren Corporate Digital Responsibility in ihr unternehmerisches Handeln.

Dazu hatte ich einige Praxisbeispiele mitgebracht (siehe Slideshare Präsentation).

Durch die sehr unterschiedlichen Hintegründe und Perspektiven der vier Panelisten wurde das Thema sehr breit diskutiert. Es war mir eine große Freude, dass ich dabei sein durfte und ich hoffe, dass mehr KMU Interesse an diesem Thema gewinnen. Dazu wird in den nächsten Jahren auch das Kompetenzzentrum csr.digital beitragen. Auf die weiteren Angebote von CSR.digital darf man gespannt sein!

Auftakt CSR.digital: Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Erfolgskriterien – Online Frühstück am 2. Juli

Auftakt CSR.digital: Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Erfolgskriterien – Online Frühstück am 2. Juli

Zu Beginn des Jahres 2020 hat das neu gegründete Zentrum für Wirtschaft und digitale Verantwortung „CSR.digital“ seine Arbeit aufgenommen. Es wird nun mit der Auftaktveranstaltung erstmals am 2. Juli 2020 öffentlich sichtbar. Expertenimpulse und Austausch zu einer digitalen Transformation mit Verantwortung. Und ich darf auch dabei sein :-). Jetzt zum Online-Frühstück anmelden!

Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Erfolgskriterien – Online Frühstück am 2. Juli von 09.00 bis 10.30 Uhr

Folgende Themen stehen im Mittelpunkt:

  • Digital und dezentral: Virtuelles Arbeiten in Zeiten der Krise und Herausforderungen für die Mitarbeiterführung!
  • Langfristige Digitalisierungspotenziale heben: Kann es gelingen, die Krise als Chance zu nutzen?
  • Nachhaltigkeit: Vom Kostentreiber zum Erfolgsfaktor

Melden Sie sich jetzt online an: Registrierung Online-Frühstück

Es nehmen folgende Expertinnen und Experten teil:

  • Dr. Myriam Jahn, CEO Q-loud und Expertin für Internet of Things
  • Roland M. Schüren, Inh. Ihr Bäcker Schüren
  • Stephan Grabmaier, Experte für New Work, Innovation und Nachhaltigkeit
  • und ich darf als Expertin für Digital Responsibility ebenfalls Impulse geben.

Die vollständige Agenda findet sich hier.

Ich freue mich sehr über reges Interesse und interessierten Austausch zum Thema!

Schon jetzt ist CSR.digital an Meinungen und Erfahrungen interessiert, bitte beteiligen Sie sich deshalb an der folgenden Umfrage, die Sie nur wenige Minuten in Anspruch nimmt: Hier geht’s zur Umfrage

Folgende Themen stehen bei der Arbeit des Zentrums im Fokus: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Nachhaltigkeit für die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen in NRW? Wie können die beiden Megatrends dazu beitragen, dass Unternehmen gestärkt aus der Covid19-Krise hervorgehen? Welche neuen Risiken und Herausforderungen entstehen und wie können sie adressiert werden? Wie verändern sich Arbeitsalltag und Führung? Diese und weitere Fragen adressiert das landesweite Zentrum für Wirtschaft und digitale Verantwortung CSR.digital. Das Zentrum ist einaus EU-Mitteln gefördertes Kollaborationsprojekt zwischen dem WuppertalerCollaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP), der IHK NRW und dem Lehrstuhl für Controlling und Accounting an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Prof. Dr. Barbara E. Weißenberger).Zusammen mit einem breiten Netzwerk von Partnern unterstützt CSR.digital KMU auf ihrem Weg zu nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit.

„Wir gründen die MADIBA ACADEMY“

„Wir gründen die MADIBA ACADEMY“

„Wir gründen die MADIBA ACADEMY. Dabei wollen wir Berater, Trainer und andere Wissensvermittler mit Medienschaffenden und Digitalisierungsexperten, Kreativen und Investoren zu einer Solidargemeinschaft unter einem Dach vereinen: der MADIBA ACADEMY.“ Ich bin mit WiseWay Mit-Gründerin und Genossin der Madiba Academy, denn ich halte die Zeit reif für ein Social Business für global-digitales Lernen in der Entwicklungszusammenarbeit. Wer auch noch mit an Bord kommen möchte, kann aktuell noch die Gründung auf Startnext unterstützen!

Die Madiba Academy stellt sich drängenden Fragen der Zeit: Wie gestalten wir remote work in der internationalen Zusammenarbeit von morgen? Wie transferieren wir digitales Wissen dorthin, wo es am meisten gebraucht wird? Wie können wir Entwicklungshilfe virtuell „vor Ort“ leisten? Wie können wir weltweit ausbilden und gleichzeitig aufhören, der Umwelt zu schaden?

„Nachhaltige Arbeit in Krisen- und Entwicklungsländern, fachlich methodischen Beratungen, Trainings, Schulungen und unabhängige Evaluierungen werden wir digital begleiten und überall dort in den virtuellen Raum verlagern, wo dies von und mit unseren Kunden und Partnerorganisationen möglich ist. Mit unseren Vorkenntnissen und bereits bestehenden nationalen, wie internationalen geschäftlichen Beziehungen in der Entwicklungszusammenarbeit können wir effektiv agieren und unsere Referenzen in den Dienst der gemeinschaftlichen Genossenschaft stellen.“ Dr. Kristian Kampfer

Weitere Informationen unter https://www.startnext.com/madiba-academy.

Ergebnisse Kurzumfrage „Wie wirkt die Coronakrise auf die digitale Verantwortung von Unternehmen?“

Ergebnisse Kurzumfrage „Wie wirkt die Coronakrise auf die digitale Verantwortung von Unternehmen?“

Ja, die Digitalisierung hat die Coronakrise positiv beeinflusst und verändert die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. „Coronathemen“ sind vielfach mit Digitalisierung verbunden und auch allesamt Nachhaltigkeitsthemen. Dennoch ist unklar, ob die Corporate Responsibility dadurch gestärkt wird (oder z.B. aufgrund von Sparmaßnahmen unter Druck gerät). Die Themen der Digital Responsibility geraten jedenfalls auch auf den Radar.

Das ist meine Zusammenfassung einer Kurzumfrage, die vom 25. bis zum 30. April 2020 mit Mentimeter.com durchgeführt und in Nachhaltigkeitsexperten-Communities öffentlich sowie unter den Alumni des Center for Sustainability Management verteilt wurden. 53 Personen beteiligten sich, beantworteten jedoch nicht alle Fragen.

Die Ergebnisse finden sich im Detail auf den Charts anbei.

Folgende aktuelle Themen der Coronakrise standen zur Auswahl:

  • Virtuelles Arbeiten/Home Office
  • Tracking und Tracing durch Gesundheits-Apps
  • Bedingungsloses Grundeinkommen
  • Nachbarschaftshilfe und lokale Solidarität
  • Aufwertung von Sozialberufen
  • Saubere Luft/Umwelt
  • Geringere CO2-Emissionen
  • Rückverlagerung von Produktion
  • Digitalisierung der Schule/Bildung insg.
  • Mündiger/kompetenter Umgang mit digitalen Medien
  • Durch digitale/soziale Medien in Kontakt bleiben
  • Konsumveränderung
  • Mentale Gesundheit bei “Social Distancing”
  • Pandemie zeigt globale Vernetztheit
  • Gesundheit und Wohlbefinden jedes Einzelnen zählt
  • Medienkonsum und Mediensucht

Die Auswahl der Themen erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ergaben sich in einem Brainstorming aus den Themen, die mir für den Kontext von Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit als relevant erschienen.

Ich freue mich über Kommentare oder Ideen zur Weiterführung! Ich versende die Ergebnisse bei Interesse auch gerne als PDF. Dazu einfach eine Mail an saskia.doerr@wiseway.de.

IASS Diskussionsbeitrag: Wie das Coronavirus paradoxerweise die Gesundheit des Planeten fördern könnte

IASS Diskussionsbeitrag: Wie das Coronavirus paradoxerweise die Gesundheit des Planeten fördern könnte

In jeder Krise kann eine Chance liegen – daher wird derzeit viel darüber geschrieben, inwieweit die Coronakrise zu mehr (globaler) Nachhaltigkeit führen könnte. Eine Bereicherung der Diskussion fand ich die globale Perspektive zur „planetaren Gesundheit“ von Nicole de Paula vom Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam.

Was ich bisher zum Thema Nachhaltigkeit und Corona wahrgenommen habe: Die einen sehen Zeichen für mehr Nachhaltigkeit durch die positiven Nebeneffekte auf Umwelt und Klima, die die Krise mit sich bringt, wie erhöhte Luftreinheit oder verminderte CO2-Emissionen. Sie sind jedoch temporär und könnten aufgrund der Belastung der wirtschaftlichen Strukturen und nun fehlender staatlicher und unternehmerischen Mittel zum „Pyrrhussieg“ werden. Andere bewerten die gegenseitige menschliche Unterstützung, die wir aktuell erleben, als Zeichen größerer gesellschaftliche Solidarität und einer Transformation mit weniger Konsum und weniger Arbeit zu sehen. Und wieder andere denken darüber nach, ob das Erleben der eigenen Sterblichkeit und die Neujustierung der persönlichen Prioritäten zu einem „neuen Mindset“ führen kann, das „die Welt zu einem besseren Ort“ macht.

Wirklich bereichernd fand ich in diesem Zusammenhang die Perspektive von Nicole die Paula, die die Pandemie global und auch im Kontext von Klimawandel beleuchtet. Sie führt an, dass die Ausbreitung des Coronavirus die existentiellen Risiken einer globalisierten Welt für uns alle spürbar und erlebbar macht. Sie bringt das folgendermaßen auf den Punkt:

„The current pandemic makes a well-known problem, the false promise of infinite growth, more tangible. This matters because it is the first time people are feeling a crisis and not merely acknowledging its existence. This could have radical implications in terms of future behaviour, a vital ingredient to drive societal change towards a more sustainable future.“

Die Pandemie macht die Globalisierung und damit das Versprechen der Globalisierung, das unendliche Wachstum, spürbar – als ein eigenes Erleben und nicht „nur“ eine Zahlen- und Wissenschafts-basierte rationale Anerkennung. Für Nicole de Paula ist es diese Wahrnehmungsveränderung, die unser Verhalten radikal verändern kann und einen Baustein für einen gesellschaftlichen Wandel für mehr Nachhaltigkeit darstellen kann.

In meinen Worten: Wir erleben gerade die globale Welt am eigenen Leib als Gefahr für unser Leben, wie noch niemals zuvor. Und wir erleben, wie sehr wir alle weltweit dabei verbunden und voneinander abhängig sind.

Die Auswirkungen der Pandemie betrifft insbesondere die Menschen in armen und ärmsten Ländern mit schlechten Gesundheitssystemen, engen Wohnsituationen und schlechten hygienischen Bedingungen, so de Paula. Ich persönlich empfinde unsere Situation in Deutschland hier bei aller Belastung und unklaren Auswirkungen als äußerst privilegiert. Wir werden mit als erstes eines Impfstoff bekommen. Viele andere nicht.

De Paula fokussiert die Idee der nachhaltigen Entwicklung  –  „Heute nicht auf Kosten von morgen, hier nicht auf Kosten von anderswo“ –  auf die Verantwortung für die Gesundheit aller Menschen als Teil der Verantwortung für den Planeten. Sie nutzt dafür den Begriff der „planetaren Gesundheit“.

„One powerful message from the COVID-19 pandemic is that we are all in this together and, indeed, there is no Planet B. Everyone can be a part of the solution by altering their behaviour, while individualistic and irresponsible actions can have deadly effects on the most vulnerable populations.“

Möglicherweise kann dieses schockhafte Erlebnis der Pandemie dazu führen, uns wir uns nicht nur lokal und national verbunden, sondern weltweit systemisch vernetzt fühlen. Wir könnten stärker als bisher eine globale Solidarität entwickeln und den Umgang mit der Klimakrise und anderen globalen Herausforderungen verändern.

„Rethinking the rules of reality: How the coronavirus could paradoxically promote planetary health“ Nicole de Paula, IASS DISCUSSION PAPER, Institute for Advanced Sustainability Studies Newsletter, 06. März 2020

„Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken“ | Beitrag im Magazin Verantwortung

„Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken“ | Beitrag im Magazin Verantwortung

Seit kurzem habe ich etwas mit dem Kabarettisten Vince Ebert, der Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek, dem MdB Konstantin von Notz, der Vorsitzenden des Rats für nachhaltige Entwicklung Marlehn Thieme und Friday-for-Future-Aktivistin Greta Thunberg gemeinsam: wir alle haben einen Beitrag im Magazin „Verantwortung“ mit dem Titel „Digitalisierung – den Wandel gestalten“ (Ausgabe 2/2019) des F.A.Z. Instituts.

Ohne Frage: Das ehrt mich ungemein!

Das schön gestaltete und hochwertige Magazin mit anregenden Beiträgen lässt sich hier bestellen.

Den Text meines Artikels „Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken – Vorhandene CSR-Instrumente und neue Handlungsfelder verbinden sich zur Corporate Digital Responsibility“ veröffentliche ich zum Nachlesen an dieser Stelle.

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Digitalisierung und Nachhaltigkeit verfolgen unterschiedliche Utopien: Für die „vierte industriellen Revolution“ bestehen hohe Erwartungen an positive wirtschaftliche Effekte – bis hin zu wahlweise Allmachts- oder Weltuntergangsszenarien. Nachhaltigkeit dahingegen gilt als „moralischer und ökonomischer Imperativ des 21. Jahrhunderts“ und wird von Institutionen wie den United Nations, Kirchen oder den G20 und zivilgesellschaftlichen Bewegungen wie #FridayForFuture unterstützt. Digitalisierung und Nachhaltigkeit gemeinsam ist ihre transformative Wirkung auf die Art und Weise wie wir leben.

„Winde des Wandels, die aus zwei verschiedenen Richtungen wehen, konvergieren zu einem perfekten transformativen Sturm in der globalen Wirtschaft.“  formulieren David Kiron und Gregory Unruh in ihrem Beitrag „The Convergence of Digitalization and Sustainability”.

Daher lohnt es sich ein zukunftsgerichteter Blick auf ihre Wechselwirkung für Unternehmer und Führungspersönlichkeiten.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind die wesentlichen Einflussbereiche für die globale Wirtschaft. Beide Effekte wirken in hohem Maße auf Märkte und Organisation. Beispielsweise beim Thema „saubere Technologie“, bei umweltfreundlicher Produktion oder beim Wandel einer Marke zu einem nachhaltigen Unternehmen. Unternehmen können davon profitieren, wenn sie Nachhaltigkeit Digitalisierung konvergent betrachten, da beide die Markt- und Organisationsbedingungen verändern. Es ergeben sich Chancen für Reputation, Verbrauchervertrauen und Innovation.

Digitalisierung fördert Nachhaltigkeit. Digitale Tools reduzieren den ökologischen Fußabdruck oder können Rohstoffe in einer fairen Lieferkette verfolgen. Manche gehen davon aus, dass nur mit Hilfe digitaler Technologien die „Sustainable Development Goals“ der United Nations (UN) bis 2030 noch erreicht werden können. De-Materialisierung – ein Kernversprechen der Digitalisierung – könnte zum Beispiel die Kohlendioxidemissionen um 20% gegenüber „Business as usual“ reduzieren, so eine Studie der Global e-Sustainability Initiative. Künstliche Intelligenz (KI) kann für Klimaschutz und Biodiversität eingesetzt werden.

Hochrechnungen der UN-Studie „2030 Vision“ gehen von einem Marktvolumen von 12 Billionen US-Dollar durch Kosteneinsparungen und neue Umsätze aus dem Einsatz von Digitalisierung für nachhaltige Entwicklung aus.

Digitalisierung stellt selbst eine Herausforderung für eine faire, gerechte und umweltfreundliche Entwicklung dar. Denn auch Bits & Bytes haben eine materielle Grundlage, wie im Buch „Smarte grüne Welt“ von Steffen Lange und Tillmann Santarius detailliert vorgerechnet wird. Beispielsweise Smartphones werden immer schneller ausrangiert und landen in den ärmeren Regionen der Welt, um dort ohne Gesundheits- oder Umweltschutz entsorgt zu werden: Der „Müllberg“ des Elektroschrotts ist inzwischen weltweit 43 Megatonnen groß. Und obwohl sie immer energieeffizienter werden, führt die Mehrnutzung zu einem Anstieg des Energieverbrauchs, dem sog. „Rebound Effekt“. In Europa trägt Informations- und Kommunikationstechnologie zu 4% zu den unerwünschten Treibhausgasemissionen bei, die „schmutzige“ Luftfahrt nur zu 3 %.

Als zukunftsweisend gilt es, einen „Net Zero Carbon Footprint“, d. h. eine neutrale CO2-Bilanz über den Lebenszyklus von Produkten, zu erzielen, und „Zero Waste“, d.h. „Null Abfall“ beispielsweise durch eine digital-gestützte „Circular Economy“, anzustreben.

Digitales Business zeigt eigene „unerwünschte Nebenwirkungen“ und erzeugt Risiken für Gesellschaft und Unternehmen. Mit der Digitalisierung geht die Sammlung großer Datenmengen von individuellen Nutzern einher. Das bringt wichtige geschäftliche Vorteile und hilft Unternehmen durch Personalisierung Produkte der nächsten Generation zu entwickeln und neue Märkte erschließen.

Dabei entstehen neue Schwachstellen, wie die Angreifbarkeit digitaler Unternehmens-Assets durch Cyberkriminalität oder die Legitimität digitaler Geschäftsmodellen, die die Privatsphäre von Nutzern minimieren. Die Diskussion um die ethischen Grenzen des Einsatzes von Big Data, KI und Co. läuft. Nach einer Studie ConPolicy-Instituts erwartet die Mehrzahl von Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen der Digitalisierung sowohl von Staat und Politik (83 %) als auch von den Unternehmen (88 %). Aber die meisten sind auch der Meinung, dass dieser Verantwortung bisher nicht ausreichend nachgekommen wird.

Die damit verbundenen Unsicherheiten führen zu einer Krise des Vertrauens gegenüber Unternehmen, dies zeigen eine Reihe Studien zum Beispiel von der Unternehmensberatung Accenture oder dem Verband Bitkom. Kunden fühlen sich verunsichert durch Daten-“Hacks“ und „unethischer“ Nutzung von persönlichen Daten. Sie verlangen aktive Datenkontrolle und eine „Daten-Dividende“, wenn sie Daten kommerziell nutzbar machen sollen. „Personalisierte“ Manipulationen von Kaufverhalten durch Online-Werbung, wirtschaftliche Diskriminierungen durch „Profiling“ oder Überwachung durch KI am Arbeitsplatz korrumpieren das Menschenrecht auf Integrität und Privatsphäre. Es herrscht Misstrauen gegenüber dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen.

Mit einer stärkeren Regulierung ist zu rechnen – wie diese aussehen wird, ist heute noch unklar. Zum Erhalt des Vertrauens von Kunden und Öffentlichkeit passen sich Unternehmen heute durch digital-ethisches Handeln den veränderten Erwartungen an: Sie geben bspw. Kunden Kontrolle über die eigenen Daten, steigern deren Vorteile für den Austausch der Daten, stärken das Gemeinwohl, indem sie Datenpools öffnen oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unternehmen beschränken bzw. überprüfbar machen.

Dieses verantwortliche Unternehmenshandeln in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft wird Corporate Digital Responsibility (CDR) genannt.

Unternehmensverantwortung entwickelt sich zu Corporate Digital Responsibility. CDR bezieht sich einerseits auf die Beachtung digitaler Nachhaltigkeit und anderseits auf Berücksichtigung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Wirkungen digitalen Unternehmenshandelns in der Welt. Dabei handelt es sich um freiwillige unternehmerische Aktivitäten, die über das gesetzlich Vorgeschriebene hinausgehen.

„Corporate Digital Responsibility kann einen wesentlichen Beitrag dafür leisten, für Fairness zu sorgen und die digitale Transformation zum gemeinsamen Vorteil aller sowie einer nachhaltigen Entwicklung auszubalancieren“, so das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz.

Aufgrund des tiefgreifenden digitalen Wandels, der alle Branchen umfasst, handelt es sich nicht nur um ein Verantwortungsgebiet der Digital-, IT- oder ITK-Branche: CDR ist vielmehr für alle Unternehmen mit digitalen Unternehmensprozessen und Geschäftsmodellen von Bedeutung.

Für CDR ist (noch) kein Standard in Unternehmen, sondern bietet Gestaltungsspielraum für Pioniere. Die vorhandenen Erkenntnisse, Instrumente und praktischen Erfahrungen der Corporate (Social) Responsibility bieten eine „Blaupause“. Ökonomisch motiviert werden Alleinstellungsmerkmale gebildet und Wettbewerbsvorteile zu einem Business Case für (digitale) Nachhaltigkeit aufgebaut, von dem sowohl Unternehmen als auch Gesellschaft bzw. Umwelt profitieren.

Zitieren als: Dörr, Saskia „Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken – Vorhandene CSR-Instrumente und neue Handlungsfelder verbinden sich zur Corporate Digital Responsibility“, in: Magazin Verantwortung, 02/19, 2019, S. 34-36.

We proudly present: „MENSCHpunktNull“!

We proudly present: „MENSCHpunktNull“!

MENSCHpunktNUll ist ein kollaborativ entstandenes Buch zu Gestaltungsansätzen für die digitale Gesellschaft. Es entstand aus einem Impuls von Andreas Schiel und Andreas Seidel. Ihr findet darin „quer gedachte“ Ansätze zur Suche nach Menschlichkeit im „Maschinenzeitalter“, Ideen zur „Future Proof Company“, zu vertrauenswürdiger Digitalisierung und der Renaissance des Vertrauens sowie dem Konzept der „informatisierten Energie. Ich freue mich sehr, dass die Idee des „SmartCheck für Nachhaltige Apps“ von Damian Paderta und mir darin veröffentlicht wurde. Für diejenigen, die es ganz eilig haben, ab Seite140 ;-). Es ist in dieser Woche zum Download erschienen und Sie/ihr bekommt es hier bei mir.

Wenn Du zu dem Thema weiter informiert werden möchtest, freue ich mich über Deine Anmeldung zu meinem Newsletter! Hier rechts —>>>>

Einige Worte zur Entstehungsgeschichte

Am Anfang wurde in bester digital-kultureller Manier von „den Andreassen“ offen gefragt, wer Lust hätte bei einem solchen Buch mitzumachen und ein Buchkapitel beizusteuern.

Ich habe Andreas Schiel bei Twitter und Andreas Seidel bei XING vor einigen Jahren kennengelernt. Andreas twitterte als Philosoph unter @digi_human zum Thema „menschzentrierte Digitalisierung“ und wir lernten uns bei der D2030-Konferenz im Sommer 2017 in Berlin auch persönlich kennen. (Ich finde das immer wieder beeindruckend, wenn ich die Einstellungen und Aussagen von jemandem im Netz kennenlerne und ihn oder sie dann persönlich treffe: das fühlt sich oft nah und vertraut an.) Auf dieser tollen Zukunftskonferenz wurden mit wissenschaftlichen Methoden erstellte Szenarien für Deutschland bis 2030 diskutiert – für mich ein wichtiges Signal, dass es mehr Menschen gibt, die den Handlungsdruck spürten, und das in einer Zeit, in der manche von „Zukunftsvergessenheit“ sprachen.

Aus dem Impuls, die Ideen aus Berlin weiterzutragen, entstand eine D2030-Rheinland-Gruppe, auf der lernte ich dann auch Andreas Seidel persönlich kennen. Er hatte auf XING das Forum für Verantwortung in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft initiiert und prangerte dort u. a. die „blinden Flecken“ der Digitalisierung zum Thema Strom- und Energieverbrauch an.

Als die Anfrage zum Buchprojekt eintraf, befand ich mich mit Damian Paderta in intensiver und tiefer Diskussion wie Digitalisierung wirklich gesellschaftlich und für jede/n gelingen kann. Unsere Vision: eine Unterstützung für Entscheider und Designer von Apps und digitalen Services es zukünftig „besser“ zu machen. Und so kam es zur Entwicklung des „Smart Checks für Nachhaltigkeit“, einer Methode, beim „Sustainable Design“ von Apps unterstützt. Unser Ansatz und die Anwendung auf den „Schutzranzen“, einem Projekt u.a. von VW, indem Schulkinder getrackt wurden, ist im Buch nachzulesen.

Es fanden sich eine Reihe weiterer Menschen, die sich beruflich und persönlich für eine lebenswerte digitale Gegenwart und Zukunft einsetzen und die Lust hatten, ein Buchkapitel zu schreiben. Die Inhalte der Kapitel wurden frei gewählt und so sind sie facettenreich und persönlich – wie Menschen eben so sind. Alle gemeinsam ist, dass sie Lust machen sollen auf Reflexion und Diskurs. Jeden der Autorinnen und Autoren kann man direkt via Social Media oder E-Mail ansprechen.

Natürlich gehört zu einem solchen Buch sehr viel Enthusiasmus und Engagement der Initiatoren – vielen Dank auch an dieser Stelle an die beiden Andreasse! Und das Buch hat zudem gehörig durch witzige Grafiken gewonnen, die Damian beigesteuert hat. Dank auch Dir.

Und nun: Viel Spaß beim Entdecken unserer Gedanken und Ideen in MENSCHpunktNULL! Ich freue mich auf Rückmeldung von Ihnen und Euch!

Plattform-Ökonomie digital nachhaltig: Empfehlungen für KMU und Handwerk

Plattform-Ökonomie digital nachhaltig: Empfehlungen für KMU und Handwerk

Vor kurzem durfte ich für das handwerk Magazin ein Interview zur digitalen Nachhaltigkeitsstrategie von KMU geben. Es ist inzwischen unter dem Titel Digitale Nachhaltigkeitsstrategie: „Unternehmer müssen auch digital verantwortlich handeln“ erschienen und hier nachzulesen.

Das Thema ist mehr als spannend, denn auch traditionsreiche Wirtschaftszweige wie das Handwerk werden von der Digitalisierung stark verändert: Sie können bspw. neue Marketing- und Vertriebswege gehen, ihre Dienstleistungen vermitteln lassen, die Kundenbeziehung von Anfang an über Social Media ganz persönlich gestalten. Digitaltechnologie bietet effizientere Produktionsmethoden, z. B. via 3D-Druck, dem Einsatz von Robotik oder Augmented Reality. Das „Werk“ als individuelles Produkt kann durch neu in den Mittelpunkt gesetzt werden.  

Plattformen erobern das Handwerk

Doch auch die Herausforderungen steigen. Durch die neuen Vermarktungsplattformen herrscht mehr Vergleichbarkeit, neuer Wettbewerb. Es entsteht Anpassungs- und Veränderungsdruck. Anpassungen der Geschäftspraktiken bedeutet Investition in Geld und Zeit.

Plattformen sind das „Herz der Digitalisierung“. Bekannte Player wie „Uber“, „AirBnb“, „Lieferando“ und natürlich „Amazon“ gehören zur sog. Plattform-Ökonomie. Sie verkaufen Verbindungen statt Güter oder Dienstleistungen.

Diese digitalen Plattformen erobern nun nach und nach weitere Märkte, wie auch das Handwerk. Neben bereits etablierten Vermittlungsplattformen für Handwerk (wie z. B. myhammer.de) gibt es inzwischen auch welche, die Handwerkerleistungen anbieten ohne jedoch selbst Handwerker als Mitarbeiter zu haben. So wie „Uber“ keine Taxis hat und „AirBnB“ keine Zimmer. Beispiele für Renovierungen aller Art aus dem Netz sind myster.de, renovinga.de oder homebell.com. Ein Beispiel für einen Spezialanbieter ist stegimondo.de, der „Dachdecker im Netz“.

Mit ihren  „Plattform“-Geschäftsmodellen verbinden sie als Intermediäre oder Vermittler verschiedene Akteursgruppen in mehrseitigen Märkten miteinander. IT-Plattformen sind die informationstechnologische Grundlage der Plattform-Ökonomie.

Vorteile der Plattformen für Nutzer

“A platform is a business based on enabling value-creating interactions between external producers and consumers.” Eine Plattform ist ein Geschäft, das auf der Schaffung wertschöpfender Interaktionen zwischen externen Produzenten und Konsumenten basiert (Geoffrey Parker, The Marketing Journal 2017, eigene Übersetzung).

Ihr Vorteil ist, dass sie die Kosten für den Leistungsaustausch, d.h. Suche und Abwicklung, für Kunden und Anbieter massiv gegenüber der bisherigen Marktlogik massiv verringern. D.h. die Leistungen der Handwerker können leichter verglichen werden und Verbraucher bekommen Transparenz über die Preise. Die Informationsasymmetrie sinkt.

Eine steigende Anzahl von Anbietern und Nutzern, die z. B. Leistungen bewerten, führt zu einer Wertsteigerung für die Nutzer selbst sowie für die Plattform. Sie bilden ein quasi-natürliches Monopol, weil durch die positiven Netzwerkeffekte die erfolgreichere bzw. größere Plattform bevorzugt wird.

Das ist der Grund, weshalb diese Plattformen quasi als Gravitationszentren in ihren Märkten fungieren  und immer mehr Verbraucher dort hin „strömen“.

Plattformökonomie: Risiken für KMU

Diese Plattformen agieren multinational und bilden in „Gravitationszentren“ in ihren Märkten. Der Wettbewerb auf diesen Märkten, der die Grundlage für eine faire Preisbildung darstellt, ist eingeschränkt oder kaum vorhanden.

Durch ihre Stellung als „Alleinherrschende“, die bislang auch kaum durch nationale Regulierung gebrochen wird, diktieren die Plattformen die Regeln des Marktes. Dies birgt Risiken für Nutzer und die anderen Teilnehmer, wie beispielsweise die Selbständigen und KMU, die ihre Dienstleistungen auf der Plattform anbieten.

Business Risiken für KMU bestehen z.B. durch

  • unfaire Geschäftspraktiken,
  • mangelndem Zugang zu Kundendaten,
  • unfairen Allgemeinen Geschäftsbedingungen,
  • willkürlicher Bevorzugung anderer Angebote oder
  • mangelhaftem rechtlichem Rahmen bei Haftungsfragen und Reputationsschäden.

Handlungsfelder für digitale Nachhaltigkeit in der Plattform-Ökonomie

Wie auch in meinem Interview deutlich wird, ist die digitale Verantwortung von KMU im Kontext der Plattformen nicht zu unterschätzen. Um hier ökonomisch nachhaltig und unternehmerisch verantwortungsvoll zu handeln, ist der Aufbau einer entsprechenden Wissens um die neuen Geschäftsmodelle und ihrer Fallstricke unabdingbar.

Das ist aus zwei Gründen wichtig: Das Kundenvertrauen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stehen durch die neue Partnerschaft auf dem Spiel. Falsche Entscheidungen können die Existenz kosten. Daher stehen die folgenden beiden Verantwortungsgebiete im Vordergrund:

Verantwortung für die Kunden: Handwerkern und ihren Kunden traditionell ein enges Vertrauensverhältnis. „Nachhaltige unternehmerische Wertschöpfung, die Raison d’être von Unternehmen, ist ohne Vertrauen nicht möglich.“ (Suchanek 2012, S.55).  Dies gilt es in dem neuen Kontext zu erhalten. Die Abwicklung über das Internet und über die Plattformen kann für Kunden einen Vertrauenssprung darstellen, den sie bewältigen müssen. „Vertrauen ist die zuversichtliche Beziehung mit dem Unbekannten“, sagt Rachel Botsman.  

Verantwortung für den Werterhalt des Betriebs und die Arbeitsplätze: Der neue Partner, der zukünftig ein Teil der Wertschöpfung und des Produktionsprozesses wird, muss – wie bei jeder kaufmännischen Entscheidung – auf Herz und Nieren geprüft werden. Dabei kommen neue Themen wie Datenschutz und –sicherheit sowie die entsprechenden rechtlichen und ethischen Fragen hinzu. Auch das Geschäftsmodell des Anbieters und die Risiken beim Lösen der Geschäftsbeziehung sind zu prüfen. Und dies vor dem Hintergrund des Machtgefälles und damit auch der Ressourcen bei Rechtsstreitigkeiten.

Für erste Schritte zu einer digitalen Nachhaltigkeitsstrategie möchte ich diese Handlungsfelder Geschäftsführern und Entscheidern bei KMU und im Handwerk ans Herz legen. Gesellschaftlich entsteht ein Wertbeitrag durch digitalen Verbraucherschutz, für die Unternehmen durch Absicherung der Unternehmenswerte.

Acht Punkte für eine digitale Nachhaltigkeitsstrategie für KMU und Handwerk

Die acht Punkte beziehen sich auf die oben genannten Handlungsfelder in der Plattform-Ökonomie. Zu jedem der acht Punkte wird ein Fragenkatalog vorgelegt. Er kann als Arbeitshilfe dienen, um zu unternehmensspezifischen Antworten und Leitlinien zu finden, die in einem nächsten Schritt auch für die Kundenkommunikation und Positionierung genutzt werden können.

1.Bauen Sie Plattform-Kompetenz auf, um potenzielle Partner sorgfältig prüfen zu können.

  • Welche Plattformen gibt es in ihrer Branche und wer sind die Inhaber?
  • Wie sieht das genaue Geschäftsmodell der Plattformen aus? Woran verdienen sie?
  • Wie verhalten sich ihre Mitbewerber in Bezug auf Plattformen?
  • Wie beurteilen Sie die Plattform nach vernünftigen kaufmännischen Kriterien?
  • Welche Empfehlungen oder Erfahrungen von ihrer Kammer oder ihrem Verband  bestehen?
  • Welche relevanten Zertifikate oder Sicherheiten bestehen?

2. Bewerten Sie die Chancen für ihre Reputation durch den Bewertungsmechanismus der Plattform.

  • Welche Ziele verfolgen Sie für den Reputationsaufbau ihres Unternehmens mit der Plattform?
  • Nach welchen Regeln erstellt die Plattform Listen, Empfehlungen und „Rankings“ zur Verbesserung der Sichtbarkeit von Angeboten bzw. Unternehmen?
  • Ist nachgewiesen, dass das Regelwerk Reputation und Verkauf erhöht?
  • Wie neutral ist das Regelwerk bzw. wie arbeitet der Algorithmus?
  • Wie und wann erfolgte ein unabhängiges Audit des Algorithmus?
  • Wie werden Manipulationen von Bewertungen verhindert?
  • Wie geht der Anbieter mit „Fake-Bewertungen“ um? (Bis zu 25% gefälscht!)
  • Ändert die Plattform ihre AGB willkürlich?

3. Geben Sie ihren Kunden Transparenz über die Geschäftsbeziehung mit der Plattform.

  • An wen werden welche Daten warum übergeben?
  • Mit wem kommt der Vertrag des Kunden zustande? Mit der Plattform oder ihrem Unternehmen?
  • Wer übernimmt welche Haftung?
  • Welche Manipulationsrisiken bestehen durch das von der Plattform gebrauchte Ranking bzw. den Algorithmus?

4. Geben Sie ihren Kunden Sicherheit in der digitalen Kundenbeziehung.

  • Welche Gründe für die neue Partnerschaft bestehen?
  • Was hat der Kunde davon?
  • Was sind die eigenen Absichten und Ziele?
  • Was ändert sich für den Kunden?
  • Wofür gibt der Kunde seine Daten preis?
  • Was tun sie zum Schutz der Kundendaten und des Missbrauchs?

5. Überlassen Sie Kunden die Wahl.

  • Welche Daten muss der Kunde auf der Plattform von sich preisgeben? Welche nicht?
  • Wie verständlich ist ihre Datenschutzerklärung?
  • Wie verständlich ist die Datenschutzerklärung des Plattformbetreibers?
  • Welche Möglichkeiten haben Kunden ihre Daten, die nicht aus anderen rechtlichen Gründen gespeichert werden müssen, auf der Plattform zu  löschen?
  • Welche anderen Möglichkeiten gibt es, mit ihnen in eine Geschäftsbeziehung zu treten?

6. Schützen Sie die Daten ihrer Kunden und ihre eigenen Daten.

  • Wie wird verhindert, dass Kundendaten missbräuchlich genutzt werden?
  • Wie wird sichergestellt, dass Kundendaten vor dem Missbrauch durch Dritte geschützt werden?
  • Wie stellen Sie sicher, dass Kunden nicht unwissentlich mehr als die notwendigen Daten preisgeben?
  • Wie werden Daten verschlüsselt und andere Prinzipien des Datenschutzes eingehalten?
  • Wie informieren Sie Kunden im Falle eines Missbrauchs von Daten oder Datenlecks?
  • Werden die Daten in Europa  – und damit unter Schutz der DSGVO – gespeichert oder gelangen sie in unsichere Drittländer, wie z.B. Indien?
  • Wie schätzen Sie das Schutzniveau unter dem „US Privacy Shield“ und damit die Zusammenarbeit mit einem US-amerikanischen Plattformbetreiber ein?

7. Schützen Sie ihre „Betriebsmittel“.

  • Was kann bei einem „Hack“ oder Datenklau schlimmstenfalls passieren?
  • Welche Vorkehrungen treffen Sie, um den wirtschaftlichen Schaden bei Datenverlust zu minimieren?
  • Welchen Maßnahmenplan entwickeln sie für den Fall, dass ihre Daten und/oder die ihrer Kunden gehackt werden?
  • Wie kann einem Datenleck oder Missbrauch von Daten vorgebeugt werden?
  • Wie kann das Datenschutzprinzip der Datensparsamkeit umgesetzt werden?

8. Bewerten Sie ihr unternehmerisches Risiko durch die Zusammenarbeit mit einem mächtigeren Partner.

  • Welches Recht kommt bei Streitigkeiten oder Haftungsfragen zur Anwendung?
  • Wie schützen Sie sich rechtlich bei herabsetzenden Einzelbewertungen?
  • Wie bewerten Sie den Wegfall unternehmerischer Entscheidungsmöglichkeiten?
  • Wie können Sie die Abhängigkeiten gegenüber der Plattform reduzieren?
  • Können Sie ihr „Reputationskapital“ am Ende der Geschäftsbeziehung portieren?
  • Wie sieht ihr Exit-Szenario aus?

Dieser Fragenkatalog hat nicht den Anspruch vollständig oder abschließend zu sein. Vielmehr soll er interessierte KMU und Handwerker kurzfristig in die Lage versetzen, die Chancen durch die Plattformökonomie bewusst und unter Berücksichtigung möglicher Risiken zu nutzen.

Auch Handels-, Handwerkkammern und Verbände unterstützen zu digitaler Nachhaltigkeit sicherlich zukünftig systematisch.

Weiterführende Quellen

The Marketing Journal (2017) “The Platform Revolution” – An Interview with Geoffrey Parker and Marshall Van Alstyne. http://www.marketingjournal.org/the-platform-revolution-an-interview-with-geoffrey-parker-and-marshall-van-alstyne/. Zugegriffen am 08.02.2019

Schmidt H (2019) Plattform-Ökonomie. https://www.netzoekonom.de/plattform-oekonomie Zugegriffen am 08.03.2019

Schössler M (2018) Plattformökonomie als Organisationsform zukünftiger Wertschöpfung. Chancen und Herausforderungen für den Standort Deutschland. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. http://library.fes.de/pdf-files/wiso/14756.pdf.  Zugegriffen am 08.03.2019

Schweitzer H, Peitz M (2018) Datenmärkte in der digitalisierten Wirtschaft: Funktionsdefizite und Regelungsbedarf? ZEW Discussion Papers, No. 17-043. http://hdl.handle.net/10419/170697. Zugegriffen am 20.02.2019

Sommer S (2018) Online-Plattformen für das Handwerk – Chance oder Verhängnis? https://www.handwerk-magazin.de/online-plattformen-fuer-das-handwerk-chance-oder-verhaengnis/150/13/376001 . Zugegriffen am 08.03.2019

Sommer S (2019) Digitale Nachhaltigkeitsstrategie: „Unternehmer müssen auch digital verantwortlich handeln“. Interview Saskia Dörr. https://www.handwerk-magazin.de/digitale-nachhaltigkeitsstrategie-unternehmer-muessen-auch-digital-verantwortlich-handeln/150/30218/383615. Zugegriffen am 08.03.2019

Suchanek A (2012) Vertrauen als Grundlage nachhaltiger unternehmerischer Wertschöpfung. In: Schneider A, Schmidtpeter R (Hrsg) Corporate Social Responsibility. Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis. Springer Gabler, Heidelberg, S.55-66

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