IASS Diskussionsbeitrag: Wie das Coronavirus paradoxerweise die Gesundheit des Planeten fördern könnte

IASS Diskussionsbeitrag: Wie das Coronavirus paradoxerweise die Gesundheit des Planeten fördern könnte

In jeder Krise kann eine Chance liegen – daher wird derzeit viel darüber geschrieben, inwieweit die Coronakrise zu mehr (globaler) Nachhaltigkeit führen könnte. Eine Bereicherung der Diskussion fand ich die globale Perspektive zur „planetaren Gesundheit“ von Nicole de Paula vom Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam.

Was ich bisher zum Thema Nachhaltigkeit und Corona wahrgenommen habe: Die einen sehen Zeichen für mehr Nachhaltigkeit durch die positiven Nebeneffekte auf Umwelt und Klima, die die Krise mit sich bringt, wie erhöhte Luftreinheit oder verminderte CO2-Emissionen. Sie sind jedoch temporär und könnten aufgrund der Belastung der wirtschaftlichen Strukturen und nun fehlender staatlicher und unternehmerischen Mittel zum „Pyrrhussieg“ werden. Andere bewerten die gegenseitige menschliche Unterstützung, die wir aktuell erleben, als Zeichen größerer gesellschaftliche Solidarität und einer Transformation mit weniger Konsum und weniger Arbeit zu sehen. Und wieder andere denken darüber nach, ob das Erleben der eigenen Sterblichkeit und die Neujustierung der persönlichen Prioritäten zu einem „neuen Mindset“ führen kann, das „die Welt zu einem besseren Ort“ macht.

Wirklich bereichernd fand ich in diesem Zusammenhang die Perspektive von Nicole die Paula, die die Pandemie global und auch im Kontext von Klimawandel beleuchtet. Sie führt an, dass die Ausbreitung des Coronavirus die existentiellen Risiken einer globalisierten Welt für uns alle spürbar und erlebbar macht. Sie bringt das folgendermaßen auf den Punkt:

„The current pandemic makes a well-known problem, the false promise of infinite growth, more tangible. This matters because it is the first time people are feeling a crisis and not merely acknowledging its existence. This could have radical implications in terms of future behaviour, a vital ingredient to drive societal change towards a more sustainable future.“

Die Pandemie macht die Globalisierung und damit das Versprechen der Globalisierung, das unendliche Wachstum, spürbar – als ein eigenes Erleben und nicht „nur“ eine Zahlen- und Wissenschafts-basierte rationale Anerkennung. Für Nicole de Paula ist es diese Wahrnehmungsveränderung, die unser Verhalten radikal verändern kann und einen Baustein für einen gesellschaftlichen Wandel für mehr Nachhaltigkeit darstellen kann.

In meinen Worten: Wir erleben gerade die globale Welt am eigenen Leib als Gefahr für unser Leben, wie noch niemals zuvor. Und wir erleben, wie sehr wir alle weltweit dabei verbunden und voneinander abhängig sind.

Die Auswirkungen der Pandemie betrifft insbesondere die Menschen in armen und ärmsten Ländern mit schlechten Gesundheitssystemen, engen Wohnsituationen und schlechten hygienischen Bedingungen, so de Paula. Ich persönlich empfinde unsere Situation in Deutschland hier bei aller Belastung und unklaren Auswirkungen als äußerst privilegiert. Wir werden mit als erstes eines Impfstoff bekommen. Viele andere nicht.

De Paula fokussiert die Idee der nachhaltigen Entwicklung  –  „Heute nicht auf Kosten von morgen, hier nicht auf Kosten von anderswo“ –  auf die Verantwortung für die Gesundheit aller Menschen als Teil der Verantwortung für den Planeten. Sie nutzt dafür den Begriff der „planetaren Gesundheit“.

„One powerful message from the COVID-19 pandemic is that we are all in this together and, indeed, there is no Planet B. Everyone can be a part of the solution by altering their behaviour, while individualistic and irresponsible actions can have deadly effects on the most vulnerable populations.“

Möglicherweise kann dieses schockhafte Erlebnis der Pandemie dazu führen, uns wir uns nicht nur lokal und national verbunden, sondern weltweit systemisch vernetzt fühlen. Wir könnten stärker als bisher eine globale Solidarität entwickeln und den Umgang mit der Klimakrise und anderen globalen Herausforderungen verändern.

„Rethinking the rules of reality: How the coronavirus could paradoxically promote planetary health“ Nicole de Paula, IASS DISCUSSION PAPER, Institute for Advanced Sustainability Studies Newsletter, 06. März 2020

GIZ techDetector: Technologie-Scouting für Nachhaltige Entwicklung

GIZ techDetector: Technologie-Scouting für Nachhaltige Entwicklung

An der 49. Socialbar Bonn nahm ich – wie alle anderen – aufgrund der Corona-Pandemie erstmals von zu Hause aus virtuell mittels der Videokonferenz und via Facebook teil. Es gab dennoch die obligatorische Hashtag-Runde und Breakout-Sessions sorgten für die Interaktion der Teilnehmer. Was nicht alles geht in diesen Zeiten! Später stellte Elke Matthaei den techDetector der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) vor. Das Tool hat mich sofort begeistert und ich habe es mir dann genauer angeschaut.

Digitale Technologien und Innovation spielen eine zentrale Rolle, um die Sustainable Development Goals zu erreichen. Auf diese Themen bin ich in meinem Blog schon häufiger eingegangen und auch im „Praxisleitfaden“ habe ich dies vertieft. Dabei stellt sich auch die Frage für verantwortungsvoll handelnde Unternehmen, inwieweit eine entwickelte oder eingesetzte Technologie Potenzial hat, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Mit dem GIZ techDetector soll der Entwicklungsstand und die Nachhaltigkeitswirkung einer Technologie bewertet und mit einem Blick erfassbar sein. Er soll zur Erreichung der SDG beitragen. Bisher wurden bisher 245 emerging technologies identifiziert.

Beispiele sind

  • Deep Fake Detection Tool
  • Emergency Citizen Responder
  • Adversial machine Learning
  • 3D Printing
  • Mobility-as-a-Service (MaaS)
  • Delivery Drone
  • Upcycled Co2 Concrete
  • Citizen-drive Platform
  • GovCoud

Diese werden nach entwicklungspolitischen Handlungfeldern geclustert: Economy & Employment; Climate Change, Environment, Natural Resources Management; Social Development; Rural Development & Agriculture; State & Democracy; Sustainable Infrastructure: Water, Energy & Transportation; Security, Reconstruction and Peace.

Die Basis für die Bewertung ist das Technology Readiness Level, der NASA-Standard für den Reifegrad von Technologien, welcher zwischen verschiedenen Stadien unterscheidet. Die Nachhaltigkeitswirkung jeder einzelnen Technologie wird über eine offene crowd-sourced Survey ermittelt und auf einer Skala von -2 bis +2 bewertet. Jeder Interessierte kann an diesem Survey teilnehmen. Das Tool wurde im Oktober 2019 gelauncht und ist frei unter https://viz.envisioning.io/giz/ zugänglich. Es soll die Entwicklungs-Community und Tech-Industrie miteinander verbinden.

Mir war bei der Nutzung unklar, aus welchen Gründen Technologien in den GIZ techDetector aufgenommen werden (oder eben nicht). Die Methodik der Bewertung des Nachhaltigkeits-Impact ist leider nicht nachvollziehbar. Dadurch ist es nicht möglich, selbst Interpretationen anzustellen oder auch nur nachzuvollziehen, wieso es zu dieser Bewertung kam. Hier kann sicherlich noch mehr Nutzerunterstützung erfolgen, indem konkrete Interpretationsbeispiele einzelner Technologien beigefügt werden oder Experten ihre Einschätzung dazu mitliefern. Wichtig wäre die Publikation der Bewertungsmethodik zur Entwicklung des Nachhaltigkeits-Impact.

Aus meiner Sicht bietet der GIZ techDetector auch relevante Einsichten für nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen in der digitalen Transformation. Die Prüfung von im Unternehmen eingesetzten Technologien mit dem GIZ techDetector und der Abgleich mit der Bewertung aus der Nachhaltigen Entwicklung könnte neue Einsatzszenarien eröffnen, den Beitrag zu einzelnen SDG verdeutlichen und damit die Digital Responsibility Agenda unterstützen.

Gitta Sender, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), 06. April 2020

Die neue digitale Verantwortung von Unternehmen: Mein Rückblick auf das „Jahr der Digitalisierung“

Die neue digitale Verantwortung von Unternehmen: Mein Rückblick auf das „Jahr der Digitalisierung“

Viele Unternehmen machten 2017 Digital-Readiness-Checks, führten Pilotprojekte mit Digitaltechnologien durch und erprobten neue „digitale“ Geschäftsmodelle. Ziel ist es, die Umwälzungen der Branchen, die die neuen Technologien mit sich bringen, zum Vorteil des eigenen Unternehmens zu nutzen und im globalen Marktgeschehen die Nase vorne zu haben.

2017 war definitiv das Jahr der „Digitalisierung“ in Deutschland  – deutlich auch in der Trendanalyse der Internetsuche bei Google zu sehen (und nicht nur in meiner Filterblase ;-))

Aber auch das war Realität: Hacks, geleakte Daten, unkontrollierte Big-Data-Analysen, mangender digitaler Verbraucherschutz, Angst vor Kontrollverlust an unmenschliche künstliche Intelligenzen, Angst vor Überwachung und Freiheitsverlust, fehlender Digitalkompetenz von Mitarbeitern und Nutzern, Abscheu vor Pflegerobotern, Smartphonesucht, Fake News etc. pp.

Wir sehen damit: Digitaltechnologien erweitern die gesellschaftlichen Chancen und Risiken. Ein Überblick in den Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales findet sich in beigefügter Tabelle.

Drei Dimensionen nachhaltiger Digitaltechnologie: Chancen und Risiken der Entwicklung (c)Wiseway

Mit neuen gesellschaftlichen Chancen und Risiken verändert sich auch die Verantwortung von Unternehmen, die diese Digitaltechnologien für Prozesse und Produkte nutzen.  Es entsteht eine neue Verantwortung von Unternehmen.

 

„Corporate Digital Responsibility ist eine freiwillige Selbstverpflichtung. Sie beginnt mit der Notwendigkeit, gesetzliche Anforderungen und Standards zu erfüllen – für den Umgang mit Kundendaten, vertraulich, geistiges Eigentum usw. – aber sie erstreckt sich auch auf umfassendere ethische Überlegungen und die grundlegenden Werte, nach denen ein Unternehmen arbeitet.“

(vgl. Global Intelligence for the CIO (2017), eigene Übersetzung)

Bisher ist unklar, wie Unternehmen ihre veränderte Verantwortung in der digitalen Gesellschaft übernehmen. Welche Ansprüche stellen die Stakeholder genau? Welche Weichen wird die Politik stellen? Die digitale Unternehmensverantwortung ist bisher in der managementpraktischen Umsetzung kein Thema: Sie ist noch nicht im Unternehmenshandeln von gesellschaftlich engagierten Unternehmen, öffentlichen Organisationen und CSR-Abteilungen angekommen. (Eine Ausnahme bilden die ITK-Unternehmen.)

Und es besteht erheblicher Forschungsbedarf in den Wirtschaftswissenschaften – oder genauer in der CSR-/Sustainability-Management-Forschung. Inzwischen ist ein erster deutschsprachiger wirtschaftswissenschaftlicher Sammelband zum Thema erschienen (Hildebrandt A., Landhäußer W. (Hrsg.):  CSR und Digitalisierung. SpringerGabler, 2017). Die Heterogenität der Ansätze und Themen auf über 1100 Seiten bestätigt dies. Es gibt viel zu tun. Daher freue ich mich auf das neue Jahr 2018 und darauf diese Entwicklung in Unternehmen und Organisationen begleiten zu dürfen!

Wie wird es 2018 weiter gehen? Der Google Trend prognostiziert einen Abschwung – Digitalisierung nicht mehr relevant? Sicher nicht, aber die sog. „Digitalisierung“ ist ein facettenreiches Phänomen. Sie beruht auf dem technischen Fortschritt sehr unterschiedlicher Digitaltechnologien, wie 3-D-Druck, Big Data, Künstlicher Intelligenz, Robotern, Drohnen, Autonomen Systemen, Virtueller Realität, Augmented Reality, Blockchain oder dem Internet der Dinge.

Ich bin sicher, wir werden die Diskussion auch in Bezug auf Unternehmensverantwortung konkretisieren und spezifischer ausrichten. Erste Pilotprojekte werden entstehen. Man darf gespannt sein, welches Unternehmen oder welche Organisation wird sich den „Pokal“ als Pionier der digitalen Unternehmensverantwortung holen wird!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir die Chancen für eine positive gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung im neuen Jahr 2018 ergreifen. Allen ein inspiriertes, kreatives und  kraftvolles neues Jahr 2018!

Wer sich intensiver zu dieser neuen digitalen Verantwortung von Unternehmen austauschen möchte oder jetzt als Pionier die Umsetzung in der eigenen Organisation angehen möchte, ist herzlich eingeladen, mit mir Kontakt aufzunehmen.

Quellen:

Behrendt, S. & Erdmann, L. (2004): Nachhaltigkeit in der Informations- und Kommunikationstechnik: IZT Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (Hrsg.)

Dörr, S. (2012): Wertsteigerung durch Nachhaltigkeitsintegration bei Telekommunikationsunternehmen? Masterarbeit. Lüneburg: Leuphana Universität

Global Intelligence for the CIO (2017): The rise of corporate digital responsibility.  https://www.i-cio.com/management/best-practice/item/the-rise-of-corporate-digital-responsibility. Zugriff am 30.12.17)

Hildebrandt A., Landhäußer W. (Hrsg.):  CSR und Digitalisierung. SpringerGabler, 2017

Kröhling, A. (2016): Digitalisierung – Technik für eine nachhaltige Gesellschaft? In: Hildebrandt A., Landhäußer W. (Hrsg.):  CSR und Digitalisierung. Berlin: SpringerGabler

 

Neue Deutsche #Nachhaltigkeitsstrategie: Perspektive #Digitalisierung

Neue Deutsche #Nachhaltigkeitsstrategie: Perspektive #Digitalisierung

Am  11. Januar 2017 wurde die aktualisierte Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 2016 veröffentlicht – sie wurde seit der ersten Fassung 2002 mit dieser Version deutlich überarbeitet. Insbesondere wird darauf eingegangen, wie Deutschland zur Umsetzung von 17 Sustainable Development Goals (SDG) 2015-2030 der United Nations beitragen möchte.

In diesen Tagen bewegt uns in der Wirtschaft und Gesellschaft die exponentiell fortschreitende Entwicklung der Digitaltechnologie. Es wird davon ausgegangen, dass eine „vierte industrielle Revolution“  bevor steht, die unsere Gesellschaft tiefgreifend verändert. Da liegt es nahe, zu schauen, wie die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie dieses Thema aufgreift.

Zunächst: Gleich am Anfang – im Kapitel „Nichts bleibt, wie es ist“ (S. 18) – wird die massive Veränderung durch die Digitalisierung gewürdigt. Da heißt es: „Ohne technischen Fortschritt wird sich global keine nachhaltige Entwicklung erreichen lassen. Aber nachhaltige Entwicklung lässt sich auch nicht allein oder primär durch technischen Fortschritt erreichen. Es bedarf eines kulturellen Wandels, um die Haltung und das Verhalten des Einzelnen, sozialer Gruppen und der Gesellschaften im Ganzen nachhaltig auszurichten.“

Nun kann man zwei grundsätzlich unterschiedliche Perspektiven zur Beziehung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit einnehmen. Die eine sieht Digitalisierung als Instrument zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung. Die andere erkennt die notwendige Veränderung des Begriffs der nachhaltigen Entwicklung bzw. seiner Prinzipien -– Gerechtigkeit, Globalismus, Anthropozentrismus – bei seiner Anwendung in einer datenvernetzte Informationsgesellschaft.

Welche Perspektive nimmt die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie auf die Digitalisierung ein?

Die Analyse zeigte: Digitalisierung wird als Instrument zur Unterstützung der Nachhaltigkeitsziele in Deutschland beschrieben. Folgende Nachhaltigkeitsziele sollen dadurch befördert werden:

  • Digitalisierung als Innovationsmotor für Gründungen (SDG 8, 123)
  • Ausbau der digitalen Infrastruktur zur Sicherung Zukunftsfähigkeit von Deutschland als High-Tech-Standort  (SDG 9, 143)
  • Digitalisierung für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung (SDG 4, S. 87)
  • Digitalisierung als Treiber von Dematerialisierung und damit Klimafreundlichkeit durch Veränderungen im Verkehr (SDG 11, S. 166) (dies aber nur in einem Zusatzabsatz erwähnt)

Insgesamt nimmt der Digitale Wandel eine Nebenrolle im umfänglichen Nachhaltigkeitsprogramm der Bundesregierung ein. (Weitere mögliche Unterstützungsleistungen der Digitaltechnologie, wie z.B. einer inklusiven Bildung, Verbesserung der Gesundheitsversorgung, Verringerung von Verkehrstoten, Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion, werden nicht angesprochen (siehe mein Blogbeitrag  https://wiseway.de/kann-digitalisierung-die-sdg-zielerreichung-unterstuetzen/ sowie die dort besprochene Studie der „Global e-Sustainability Initiative“).  Ist hier wirklich kein weiterer Optimierungsbedarf in Deutschland?)

Die weitere mögliche Position dem Digitalen Wandel Rechnung zu tragen und die nachhaltige Entwicklung im Licht einer sich verändernden Gesellschaft zu sehen – diese Perspektive findet sich in der aktuellen Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie nicht.

Im Folgenden einige Argumente, wieso es sinnvoll sein könnte, diese Perspektive einzunehmen.

Die rasante technologische Veränderung kann Angst machen und man muss kein Visionär sein, um das Risiko der Verstärkung weiterer sozialer Ungerechtigkeiten oder auch dem Verlust der eigenen Souveränität  in einer vollvernetzten Umwelt zu sehen. Es gilt eine Zukunftsvision zu gestalten, die den Menschen in den Mittelpunkt dieser Veränderung rückt.  Das alles berührt Fragen der Nachhaltigkeit.

Der Nutzen der Digitalen Wandels – insbesondere für die Wirtschaft – hat als Vorbedingung die gesellschaftliche Akzeptanz. Es ist zu zeigen, dass neben ökonomischem Nutzen ein (größerer) gesellschaftlicher Nutzen im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung entsteht. Diesen Shared Value untersucht die Gruppe „Digital Transformation Initiative“ des Weltwirtschaftsforums. Hier geht es um Nachhaltigkeit.

Und schließlich: Welchen Nachhaltigkeitsherausforderungen muss sich die „Daten-, Informations- und Wissensgesellschaft“  durch das exponentiell ansteigende digitale Wissen und die Vernetzung stellen? Was bedeutet in diesem Sinne Fairness gegenüber den anderen Menschen auf der Erde und den nachfolgenden Generationen?

 „Die Art und Weise, wie der Umgang mit Wissen und Information organisiert wird, entscheidet genauso, wie wir den Umgang mit den natürlichen Ressourcen organisieren, über unsere gegenwärtigen Chancen, uns kreativ weiterzuentwickeln, erst recht über die Chancen zukünftiger Generationen, das Wissen der Vergangenheit zur Kenntnis nehmen und daraus Nutzen ziehen zu können.“ (Kuhlen 2002b, 66)

Vielleicht wäre es sogar adäquat die Dimensionen der Nachhaltigkeit „Umwelt“, „Mensch“ und „Wirtschaft“ um „Wissen“ ergänzen, wie es aus dem Umfeld der Digitalen Nachhaltigkeit gefordert wird?

Wären das Themen für eine Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie?

Quellen:

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/2017/01/2017-01-11-nachhaltigkeitsstrategie.pdf

http://www.deutschlandradiokultur.de/klaus-schwab-die-vierte-industrielle-revolution-der.950.de.html?

http://www.zeit.de/2017/05/digitalisierung-revolution-technik-seele-menschen-grundrechte

https://www.d2030.de/

Kuhlen, Rainer(2002): Napsterisierung und Venterisierung : Bausteine zu einer politischen Ökonomie der Wissens. Prokla : Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft / hrsg. von d. Vereinigung zur Kritik der Politischen Ökonomie e.V 32, Nr. 1: 57–88, 66)

Der Begriff der Digitalen Nachhaltigkeit wird u.a. am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern an der dafür eingerichteten Forschungsstelle untersucht.

Kann #Digitalisierung die #SDG Zielerreichung unterstützen?

Kann #Digitalisierung die #SDG Zielerreichung unterstützen?

Es gibt noch viel zu tun, um die Welt nachhaltig zu entwickeln. Die 17 „Sustainable Development Goals“ (SDG), wie z.B. Beenden von Hungersnöten, mit ihren mehreren Dutzend Unterzielen sollen bis 2030 erreicht werden. Und erst kleine Teile davon sind geschafft.

Dabei wird unser aller Alltag derzeit vor allem von der rasanten Beschleunigung der Digitaltechnologie bestimmt, die unsere Gesellschaft höchst dynamisch verändert. Da liegt die Frage nahe: Kann Digitaltechnologie bei der Erreichung der SDG helfen?  Für mich als Nachhaltigkeitsmanagerin und seit fast 20 Jahren in der Internet-  und Telekommunikationsindustrietätig, wäre es eine faszinierende Vorstellung, dass Digitalisierung die nachhaltige Entwicklung unterstützen kann.

sdg-digital

Gesi – die „Global e-Sustainability Initiative“ – ist dieser Frage nachgegangen und kommt (nicht wirklich verwunderlich) zur deutlichen Aussage: Ja, sehr sogar!

Und so soll Digitaltechnologie wirken:

  • Durch De-Materialisierung kann die CO2-Emissions um 20% gegenüber dem „Business as usual“-Szenario reduziert werden und damit helfen, den Klimawandel zu bekämpfen (SDG 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“)
  • 1,6 Mrd. Menschen können von e-Healthcare profitieren (SDG Ziel 3 „Gesundheit und Wohlergehen“)
  • 30 Mio. Verletzungen und 720 Tausend Opfern durch Straßenunfälle wird durch „Car2X“-Technologie vorgebeugt. Sie erlaubt es, dass Autos mit ihrem Umfeld kommunizieren (SDG Ziel 3 „Gesundheit und Wohlergehen“)
  • +900 kg mehr Ertrag pro Hektar durch “Smart Agriculture (SDG Ziel 2 „Kein Hunger“)
  • Durch Breitbandausbau in Schwellenländern kann das Bruttoinlandsprodukt um 12% gesteigert (SDG Ziel 8 „Menschenwürde, Arbeit und Wirtschaftswachstum“)
  • 9 Billionen US Dollar Umsätze und Kosteneinsparungen werden weltweit unterstützt (SDG Ziel 8 s.o.)

Vor allem aber würden alle 17 SDG und mehr als 50% der 169 Ziele positiv beeinflusst und könnten bis zu 23x die Diffusion und Reichweite von „nichtdigitalen“ Lösungen erreichen. Das SDG Ziel 9 „Industrie, Infrastruktur und Innovation“ steuert u.a. direkt auf die Verbesserung des Internetzugangs für alle. Dies würde ganz direkt mit den Maßnahmen zur Stärkung der Digitaltechnologie verfolgt.

GeSI – die „Global e-Sustainability Initiative“ hat die Reihe ihrer Studien weitergeführt und im Juni 2016 die neueste, die von Accenture umgesetzt wurde, vorgelegt. Mit der dritten Studie verbindet sie die Chancen der ICT (ITK,  Informations- und Kommunikationstechnologie) – jetzt „Digitalisierung“ genannt – mit den aktuellen globalen Zielen der United Nations, den Sustainable Development Goals: „#SystemTransformation. How digital solution will drive progress towards the sustainable development goals”.

Leider legt die Studie keinen Business Case vor, der darstellt mit welchem Aufwand diese Ziele zu erreichen sind. Es bleibt also unklar, wie hoch die Aufwände und Investitionen von staatlicher und privatwirtschaftlicher Seite sein müssten, um die Digitalisierung für die Nachhaltige Entwicklung zu nutzen. Auch sind die umfänglichen Zahlenwerke nicht nachvollziehbar – das dahinterliegende Material wurde nicht öffentlich zur Verfügung gestellt.

Es ist aufgrund der Mitglieder von GeSI –  u.a. 40 der führenden ICT-Unternehmen – anzunehmen, dass der Wunsch der Herausgeber besteht, einen möglichst großen Effekt der ICT auf die SDG darzustellen. Das kann „blinde Flecken“ verursachen.

Um ein Beispiel zu nennen: Führt eine „Smart Agriculture“, d.h. das optimierte Farm Management sowie automatisierte Systeme, wirklich weniger Hungers in der Welt? Nicht, wenn es um Vandana Shiva, weltweit anerkannte Wissenschaftlerin, Schriftstellerin und Gründerin von Navdanya, geht. Sie kämpft für Nahrungsmittelsouveränität und gegen Agrarkonzerne. Letztere schränkten diese aufgrund von Patenten ein und würden auch nur zu einem sehr geringen Teil für die Ernährung der Welt sorgen (vgl. Film  „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“). Hier fehlt in der Studie eine Darstellung der angenommenen Rahmenbedingungen, „side-effects“ und eine kritische Diskussion.

Das lässt mich zweifeln: Vielleicht ist die Studie doch eher Lobbyarbeit einer Branche und die Ergebnisse wertlos?

Mein Fazit: es liegt eine umfangreiche zahlenbasierte Studie vor, die zwar erstrebenswerte Ergebnisse in Aussicht stellt, aber keine Aussage darüber trifft, wie hoch der globale Einsatz sein muss, deren Berechnungen (zunächst) nicht nachvollziehbar sind und die die Voraussetzungen und Annahmen nicht kritisch diskutiert.

Und so sind die dargestellten Wirkungen der Digitaltechnologie auf die Nachhaltige Entwicklung zunächst mit Vorsicht zu genießen. Ich denke, da kann und wird noch genauer hin zu sehen sein.

Ü60 in D: Digitale Exklusion und brachliegendes Kundenpotenzial

Ü60 in D: Digitale Exklusion und brachliegendes Kundenpotenzial

59% aller Übersechzigjährigen (Ü60) in Deutschland sagen „Eigentlich bin ich mit dem Medium Internet überfordert.“, das sind über 13 Millionen Menschen. Von denen, die bislang nicht online sind, sind es sogar 87%, die sich überfordert fühlen. In Deutschland leben aktuell 22,5 Millionen Ü60 (Stichtag 31.12.2015, Quelle statista ,  27,4% der gesamten Bevölkerung). Eine beachtliche Menge, die sich in die „digitale Gesellschaft“ in Deutschland nicht eingeschlossen fühlt – zumal sie wirtschaftlich im Durchschnitt gut ausgestattet ist.

Das sind Ergebnisse der „Ü60-Studie – Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland„, die das „Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ (DIVSI) etwa zeitgleich mit der „D21 Digital Indix 2016“ für Deutschland vorlegt.

Die Studie kommt zu der positiven Erkenntnis, dass viele Übersechzigjährige die Bedeutung der „digitalen Gesellschaft“ allgemein und für sich persönlich erkannt hat. Auch dies ein Indikator dafür, dass das Internet in Deutschland „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist. Immerhin drei Millionen unter ihnen sind „souveräne Intensivnutzer“. Besonders interessant ist, dass bei 38% der Ü60 ein hohes weiteres Teilhabepotenzial an der digitalen Gesellschaft besteht.

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Eigene Darstellung auf Basis DIVSI (2016): Ü60-Studie – Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland, S. 77. https://www.divsi.de/wp-content/uploads/2016/10/DIVSI-UE60-Studie.pdf (letzter Zugriff am 4.12.2016)

 

Diese 8,6 Millionen Menschen in Deutschland könnten von den Vorteilen der digitalen Vernetzung profitieren, z.B.:

  • Sich schnell mit relevanten Informationen versorgen und auf dem „Stand bleiben“
  • Sich den Alltag erleichtern und dadurch Zeit sparen
  • Besser mit Familie und Freunden kommunizieren (inbesondere mit der Digital Natives der Enkelgeneration) und damit einer sozialen Isolation entgegen wirken
  • An gesellschaftlicher Meinungsbildung und politischen Prozessen, die mehr und mehr im digitalen Raum geführt werden, teilhaben
  • Von dem breiteren und günstigeren Online-Shopping-Angebot profitieren
  • Sich professionell stärken, um einen Job zu finden (immerhin steht die Rente mit 70 im Raum)
  • Durch bessere Unterhaltungsangebote mehr Spaß zu haben

Gründe für die geringe oder fehlende Nutzung digitaler Medien sind u.a. mangelndes Sicherheitsempfinden, mangelnde (empfundene) Kompetenz und mangelndes Vertrauen.

Es ist eine gemeinsame Aufgabe „alle“ auf dem Weg in die „digitale Gesellschaft“ mitzunehmen. Neben der Verstärkung von niederschwelligen Bildungsangeboten für die Ü60 gehören dazu aus meiner Sicht auch weitere ganz praktische Maßnahmen. Folgende möchte ich hiermit vorschlagen:

  • Ein „Digital buddy“-Netzwerk vor Ort, die ganz praktisch bei konkreten Problemen zeigen und helfen
  • Eine Plattform anbieten, die geprüft auf sichere und relevante Webseiten verweist
  • Webseitengestaltung, die auf Einschränkungen Rücksicht nimmt –  siehe z.B. auch Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0
  • Zusätzliche Hilfe auf anderen Kanälen (z.B. auch Skype, Whatsapp, Telefon), wenn man im Internet nicht mehr weiter weiß

Dabei ist nicht nur „die Politik“ gefordert oder das soziale Engagement der Zivilgesellschaft. Auch Unternehmen sind aufgefordert im Zuge der Digitalisierung eine „digitale gesellschaftliche Verantwortung“ zu übernehmen.

Und dabei würden sie neben aktiver digitaler Inklusion auch bisher ungenutzte Kundenpotenzialen auf den (effizienteren) Social Media Kanälen erschließen. Das ist eine Win-Win-Situation, ein „Business Case for Sustainability“.

„Digital Charta“: Reibungsfläche für die digitale Gesellschaft

„Digital Charta“: Reibungsfläche für die digitale Gesellschaft

„Digitalisierung“ scheint heute vor allem ein Thema der Wirtschaft zu sein. Und ich bekomme den Eindruck, dass die Regelungsgeber in Deutschland die Wirkung von digitaler Vernetzung nicht in ausreichendem Umfang interpretieren – (siehe dazu auch meinen Blogbeitrag https://wiseway.de/kompetent-in-die-digitale-wissensgesellschaft/). Entsprechend besteht bisher keine politische Plattform für einen gesellschaftlichen Austausch, wie die „digitale Gesellschaft“ gelebt werden sollen.

Vielleicht gibt es deswegen seit gestern zumindest einen zivilgesellschaftlichen Entwurf, den eine Reihe von Soziologen, Journalisten, Wissenschaftler, Netzaktivisten, Social Entrepreneure, Unternehmensführer und auch Politiker initiiert haben, die „Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union“. Umgesetzt wurde das Projekt von der „Zeit Stiftung“. Es geht um nichts weniger, als die Grund- und Verfassungswerte auf eine „digitale Gesellschaft“ zu beziehen.

reibung

Wir alle werden auf der Website aufgefordert, dieses Engagement zu unterstützen (auch wenn man die Formulierungen im Detail nicht teilt), zu kommentieren und zu diskutieren. Mehr zu den „Digital Charta“ hier.

Seit ihrer Veröffentlichung besteht bereits harscher Kritik von juristischer Seite an dem Unterfangen z.B. veröffentlichte Markus Compa den Artikel „Digitale Chartastimmung“. Er wirft den „Hohepriestern abendländischen Intellekts“ vor, sie seien „damit überfordert, erst einmal den juristischen Ist-Zustand zu analysieren“. Weitere Rechtsanwälte haben sich dazu geäußert. Es gehe darum „das Internet dem Rundfunkrecht zu unterwerfen“ – schnell sind wir bei der Diskussion um Freiheit oder Kontrolle des Netzes.

Ich meine, dass jenseits politisch gefärbter Kritik sowie juristischer Beurteilung eine gesellschaftsübergreifende Diskussion zu grundlegenden Werten „in der digitalen Gesellschaft“ erfolgen muss – daher ich unterstütze die „Reibungsfläche“, die die Digital Charta bietet, und habe unterzeichnet.

Seit über 20 Jahren fasziniert mich der Gedanke der neutralen Kommunikationsplattform von „jeder mit jedem“. Ich möchte ein neutrales und nicht-reguliertes Internet. Aber ich sehe auch, dass „bislang sind vor allem die Plattformbetreiber und Softwareentwickler die Architekten der neuen Kommunikationsräume“ (Jan-Hinik Schmidt, bpb) sind, die jetzt mehr und mehr relevant für uns als Bürger, politische und wirtschaftliche Akteure werden.

In der digital vernetzten Gesellschaft besteht der digitale Raum neben dem physischen. Das heißt, es sind heute Wirtschaftsunternehmen, die diesem digitalen Raum die Regeln geben. Aber Wirtschaft ist nur eine Kraft in der Gesellschaft und ein schlechter Ratgeber für Gerechtigkeit, Fairness, Nachhaltigkeit.

Es ist Aufgabe aller, den digitalen Raum zu gestalten und sich zu fragen: Wie soll die „digitale Vernetzung“ auf uns Individuen und soziale Gemeinschaften heute und morgen wirken? Wo sollte sie Grenzen haben?

Die aktuell vorgelegte „Digital Charta“ gibt darauf keine abschließenden Antworten. Das macht aber nichts. Ihr Verdienst ist es (oder der der Initiatoren), dass sie weitere Akteure – neben der Wirtschaft – auf den Plan holt und der Recht- und Wertediskussion eine Öffentlichkeit gibt.

Daher halte ich die Charta für einen guten und unterstützenswerten Ansatz. Die Diskussion zu den Inhalten hat schon gestartet; sie wird sich entwickeln. Und sicherlich folgt bald ein nächster Vorschlag, ein nächstes Konzept. Hier vertraue ich dem Prozess und hoffe, dass Reibung auch in diesem Fall Wärme verursacht.

#digitalcharta #digitalisierung #wiseway

Kompetent in die digitale Wissensgesellschaft?

Kompetent in die digitale Wissensgesellschaft?

Zwei brandaktuelle Publikationen unserer Bundesministerien zum Thema „digitale Welt“ haben mich diese Woche bewegt: Zum einen die brandaktuelle  Studie zum Digitalisierungsstand der Deutschen vom BMWi (gemeinsam mit der D21-Initiative) und das Strategiepapier „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ des BMBF.

Erstere hat neben dem aktuellen Stand des Digitalisierungsindex insbesondere die Digitalisierungskompetenz der Deutschen (auf Basis der Definition des EUROPASS) untersucht. Wenig erstaunlich, dennoch in seiner Deutlichkeit wichtig: 26 % der deutschen Bevölkerung sind abseitsstehende Skeptiker mit geringen Digitalkompetenzen und 39% sind konservative Gelegenheitsnutzer.  Das Gros (65%) der deutschen Bevölkerung nutzt die digitale Technologie also bestenfalls gelegentlich und fühlt sich auch bestenfalls mittelmäßig kompetent: Das Know-How mit dem wir Deutschen der fortschreitenden Vernetzung der Welt begegnen ist deutlich „ausbaufähig“.

digitalisierungsindex

Um dies zu ändern und mit entsprechenden Kompetenzen für die Zukunft gerüstet zu sein, wird auf Bildung verwiesen.

Passend wurde dann in dieser Woche die „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ vom BMBF veröffentlicht. Leider bleibt das Papier dennoch die Antwort auf die Frage schuldig, wie wir Deutsche die notwendige Kompetenz für die „digitale Wissensgesellschaft“ erlangen sollen. Bei den dargestellten Umsetzungsmaßnahmen zur digitalen Bildung handelt es sich vor allem um Maßnahmen zur Verbesserung der Mediennutzung.

Und schwach ist  die Strategie, wenn es um das Bildungsziel geht. Der Bildungsbegriff „für die digitale Wissensgesellschaft“ ist fast vollständig abgeleitet aus dem Funktionieren des Schülers, Studierenden, Lernenden für und in der Arbeits- bzw. Berufswelt. Quasi im Nebensatz werden „klassische Kompetenzen“ genannt. Und immerhin wird Selbst- und Verantwortungsbewusstsein als Bildungsziel zuerkannt.

Der Begriff reduziert Bildung auf ihre Funktion als „Ausbilder der Wirtschaft“ (da wird wohl deutlich, wer derzeit die Diskussion der Digitalisierung bestimmt). Und er reicht m. E. nicht aus, um uns für die sicherlich beherrschende Technologie der nächsten Jahrzehnte zu rüsten. Dabei ist den Autoren durchaus bewusst, dass die vernetzte Welt „alle Lebensbereiche“ durchdringt: Sie schildern es plastisch in der Einleitung des Papiers.

Dabei wurden in der UN-Dekade für Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005-2014), die jetzt in das Weltaktionsprogramm BNE des BMBF (!) gemündet sind, Kompetenzen für eine globale und zukunftsfähige Gesellschaft beschrieben. Das sind u.a.:  aktiv Teilhaben/Gestalten, Dilemmata bewältigen, autonom Handeln, vorausschauend Denken oder interdisziplinärer Austausch beim Wissensaufbau. Sind diese Kompetenzen für die Zukunft jetzt andere, weil wir uns heute stärker bewusst sind, dass diese zukünftige Welt digital vernetzt ist?

Ich meine, es sind genau diese nachhaltigen Fähigkeiten, die wir als Akteure in der digitalen Wissensgesellschaft brauchen, wenn wir sie verstehen, gestalten, steuern (und nicht nur nutzen) wollen.

„Nur wenn wir die digitale Transformation wert- und zielorientiert gestalten, kann sie nachhaltig werden.“ Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy

Wer macht sich nun auf dem Weg, Bildung für eine digital vernetzte, globalisierte und vergleichsweise wohlhabende demokratische Gesellschaft zu gestalten? Welche Kompetenzen sind hilfreich für ein gutes Leben? Und freue mich über einen interdisziplinären (besser noch transdisziplinären) und vorausschauenden Diskurs.

Bonn Conference for Global Transformation: Ich war dabei!

Bonn Conference for Global Transformation: Ich war dabei!

Die Bonn Conference on Global Transformation fand das erste Mal am 12. und 13. Mai 2015 im Plenarsaal des WCCB statt. Ab jetzt alle zwei Jahre. Primär geht es um die Umsetzung der sog. UN „Post-2015-Agenda“, der Umsetzung der „Sustainable Development Goals“. Im Konferenzvideo (siehe oben) werden die anstehenden Herausforderungen eindrücklich in 1,5 min dargestellt.

Geladen waren „erfahrene Entscheider“ aus Politik, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft. Es soll auch ein „Mindshift“ stattfinden, so Angelika Schwall-Düren, für Nachhaltigkeit. Und es mögen Impulse von der Konferenz in die Gesellschaft ausgehen. Das sind große Ziele. Verstanden habe ich nicht: Weshalb ein Mindshift und Impulse von denjenigen ausgehen, die die Situation, selbst gestaltet habe? Schätzungsweise war die Mehrzahl der Anwesenden über 40 Jahre alt.

Wie soll ein „Mindshift“ die Gesellschaft verändern, wenn ihn nicht diejenigen, die am längsten mit den Konsequenzen leben müssen, (mit) gestalten? Und wenn Impulse von der Konferenz ausgehen sollen, weshalb nutzt man nicht die zeitgemäßen medialen Methoden, wie Live-Blogs, zur Verbreitung?

Aber dennoch: Auch von den Grandseigneurs der Nachhaltigen Entwicklung wie Jeffrey D. Sachs und John Elkington war etwas zu lernen. Am beeindruckensten jedoch Su Stephanou über ein Bildungsprojekt, das Kleinbauern in Kenia mittels wöchentlicher SMS „Learning Nuggets“ vermittelt, um Gesundheit der Kühe zu verbessern, Krankheiten bei Hühner zu verhindern und ihre Produktion zu verbessern (Link zur iCow-Website) Nachahmenswert!

„iCow“: digital learning for sustainability in Kenia

„iCow“: digital learning for sustainability in Kenia

Inspiring speech of Su Stephanou on digital education of farmers in Kenia in sustainable farming during Bonn Conference on Global Transformation 2015. Important is to take technical infrastructur into account and to provide learning units accordingly – here via SMS.

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Thinking about „learning portals“ and how to enhance knowledge sharing…

For more see http://www.icow.co.ke/

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