An der 49. Socialbar Bonn nahm ich – wie alle anderen – aufgrund der Corona-Pandemie erstmals von zu Hause aus virtuell mittels der Videokonferenz und via Facebook teil. Es gab dennoch die obligatorische Hashtag-Runde und Breakout-Sessions sorgten für die Interaktion der Teilnehmer. Was nicht alles geht in diesen Zeiten! Später stellte Elke Matthaei den techDetector der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) vor. Das Tool hat mich sofort begeistert und ich habe es mir dann genauer angeschaut.

Digitale Technologien und Innovation spielen eine zentrale Rolle, um die Sustainable Development Goals zu erreichen. Auf diese Themen bin ich in meinem Blog schon häufiger eingegangen und auch im „Praxisleitfaden“ habe ich dies vertieft. Dabei stellt sich auch die Frage für verantwortungsvoll handelnde Unternehmen, inwieweit eine entwickelte oder eingesetzte Technologie Potenzial hat, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Mit dem GIZ techDetector soll der Entwicklungsstand und die Nachhaltigkeitswirkung einer Technologie bewertet und mit einem Blick erfassbar sein. Er soll zur Erreichung der SDG beitragen. Bisher wurden bisher 245 emerging technologies identifiziert.

Beispiele sind

  • Deep Fake Detection Tool
  • Emergency Citizen Responder
  • Adversial machine Learning
  • 3D Printing
  • Mobility-as-a-Service (MaaS)
  • Delivery Drone
  • Upcycled Co2 Concrete
  • Citizen-drive Platform
  • GovCoud

Diese werden nach entwicklungspolitischen Handlungfeldern geclustert: Economy & Employment; Climate Change, Environment, Natural Resources Management; Social Development; Rural Development & Agriculture; State & Democracy; Sustainable Infrastructure: Water, Energy & Transportation; Security, Reconstruction and Peace.

Die Basis für die Bewertung ist das Technology Readiness Level, der NASA-Standard für den Reifegrad von Technologien, welcher zwischen verschiedenen Stadien unterscheidet. Die Nachhaltigkeitswirkung jeder einzelnen Technologie wird über eine offene crowd-sourced Survey ermittelt und auf einer Skala von -2 bis +2 bewertet. Jeder Interessierte kann an diesem Survey teilnehmen. Das Tool wurde im Oktober 2019 gelauncht und ist frei unter https://viz.envisioning.io/giz/ zugänglich. Es soll die Entwicklungs-Community und Tech-Industrie miteinander verbinden.

Mir war bei der Nutzung unklar, aus welchen Gründen Technologien in den GIZ techDetector aufgenommen werden (oder eben nicht). Die Methodik der Bewertung des Nachhaltigkeits-Impact ist leider nicht nachvollziehbar. Dadurch ist es nicht möglich, selbst Interpretationen anzustellen oder auch nur nachzuvollziehen, wieso es zu dieser Bewertung kam. Hier kann sicherlich noch mehr Nutzerunterstützung erfolgen, indem konkrete Interpretationsbeispiele einzelner Technologien beigefügt werden oder Experten ihre Einschätzung dazu mitliefern. Wichtig wäre die Publikation der Bewertungsmethodik zur Entwicklung des Nachhaltigkeits-Impact.

Aus meiner Sicht bietet der GIZ techDetector auch relevante Einsichten für nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen in der digitalen Transformation. Die Prüfung von im Unternehmen eingesetzten Technologien mit dem GIZ techDetector und der Abgleich mit der Bewertung aus der Nachhaltigen Entwicklung könnte neue Einsatzszenarien eröffnen, den Beitrag zu einzelnen SDG verdeutlichen und damit die Digital Responsibility Agenda unterstützen.

Gitta Sender, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), 06. April 2020

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Saskia Dörr

Ich bin Expertin für Digital Responsibility und Nachhaltigkeitsmanagerin mit über zwanzig Jahren Erfahrung in Managementpositionen der Informations- und Kommunikationsbranche. Als Gründerin der Unternehmensberatung WiseWay unterstütze ich meine Kunden bei der digitalen Transformation mit Verantwortung für Mensch, Gesellschaft und Umwelt.
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