Neue Verantwortungsbereiche von Unternehmen zum Umgang mit Daten, Künstlicher Intelligenz etc. entstehen, die in Politik und Wirtschaft aufgegriffen werden. Dieses Fachgebiet wird „Corporate Digital Responsibility“ (CDR) genannt. Der Begriff wurde 2016 von Frank Esselmann und Alexander Brink in die deutsche Diskussion eingebracht. Aktuell passiert richtig viel auf diesem Gebiet. Wird 2020 das Jahr der Digital Responsiblity – trotz oder sogar wegen der Coronakrise?

Hier ein erster Überblick über die Akteurslandschaft in Deutschland (den ich gerne bei Hinweisen erweitere). Wer macht was in Sachen CDR?

Politik Bund:  CDR wurde von Katharina Barley als Justizministerin 2018 auf die politische Agenda gehoben und die Corporate-Digital-Responsibility-Initiative mit großen Unternehmen unterschiedlicher Branchen ins Leben gerufen. Seit dem Weggang von Katharina Barley ist hier wenig passiert.

Politik in den Ländern: In NRW geht die Entwicklung weiter. Hier wird im Juni 2020 das erste Zentrum für Digital Responsibility in Deutschland vom „Center for Sustainability Production and Consumption“ gestartet. Es ist gefördert durch das Wirtschaftsministerium NRW und den europäischen EFRE Font. Hier sollen KMU bei der Umsetzung durch Workshops und einen Massive Open Online Course (MOOC) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bei der Umsetzung von Digital Responsibility gefördert werden. In Bayern bietet die Themenplattform Verbraucherbelange in der Digitalisierung im Zentrum Digitalisierung Unternehmen Unterstützung bei der Berücksichtigung von CDR in Geschäftsmodellen oder Produkten.

Gesellschaftliche Organisationen und Stiftungen: Die gesellschaftliche Diskussion wird CDR von bedeutenden wirtschaftsnahen Akteuren wie der D21-Iniative und der Bertelsmann-Stiftung. Die D21-Initiative hat im April 2020 das Online-Magazin zu CDR gelauncht und die Bertelsmann-Stiftung hatte bereits 2019 einen „Booksprint“ dazu gestartet. Das Buch mit mehreren Dutzend Beiträgen, die CDR aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, steht kurz vor Veröffentlichung im Frühjahr 2020.

Wissenschaft: Bisher gibt es meines Wissens nach keinen Lehrstuhl an deutschen Hochschulen zu CDR. Von Prof. Lara Lobschat und Kollegen von der Universität Münster, dem Karlsruher Institut für Technologie, der LMU München sowie weiteren internationalen Co-Autoren wurde im November 2019 ein Paper als Entwurf publiziert, dass wissenschaftliche Grundlagen zu CDR legt. Die erste Studie für den Bedarf einer CDR legte Prof. Christian Thorun, Quadriga Hochschule Berlin, 2018 vor.

Wirtschaftsverbände: Von den Wirtschaftsverbänden positioniert sich der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. zu CDR als ein wesentliches Themenfeld. Im April 2020 erschien das Positionspapier, das mit neun Unternehmensbeispielen zu einem „verantwortungsvollen Weg in die digitale Transformation“ informieren und inspirieren möchte. Der Verband möchte seine „Mitglieder, die Wirtschaft im Allgemeinen und auch die Politik dazu animieren, sich für CDR starkzumachen“. Bitkom, der größte Digitalverband Deutschlands, hat bisher ein Diskussionspapier zu CDR im Kontext von Künstlicher Intelligenz veröffentlicht und verfolgt das Thema aktuell eher nachgelagert in seinem Arbeitskreis „Public Affairs„.

Unternehmen: In Deutschland wird CDR bisher systematisch von einer Reihe Unternehmen aufgegriffen und  umgesetzt – allen voran die Tech-, IT- und Telekommunikationsunternehmen. Sieben unterschiedliche Praxisbeispiele habe ich in meinem  Praxisleitfaden Corporate Digital Responsibility. Unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeitsmanagement im Digitalzeitalter„, der im März 2020 im Springer Gabler Verlag erschienen ist, dargestellt. Unternehmen aus Handel, der Softwarebranche, dem Agenturbereich, der Industrie,  der Telekommunikations- oder Finanzbranche, die CDR strategisch aufgreifen, finden sich im Positionspapier des BVDW.

Ich plane einen Überblick über Engagements von Unternehmen in Deutschland zu Corporate Digital Responsibility. Gerne nehme ich Hinweise zu Unternehmen sowie Ergänzungen zu relevanten Akteueren entgegen. Bitte schreiben Sie an Saskia.doerr@wiseway.de.

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Saskia Dörr

Ich bin Expertin für Digital Responsibility und Nachhaltigkeitsmanagerin mit über zwanzig Jahren Erfahrung in Managementpositionen der Informations- und Kommunikationsbranche. Als Gründerin der Unternehmensberatung WiseWay unterstütze ich meine Kunden bei der digitalen Transformation mit Verantwortung für Mensch, Gesellschaft und Umwelt.
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