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Ü60 in D: Digitale Exklusion und brachliegendes Kundenpotenzial

59% aller Übersechzigjährigen (Ü60) in Deutschland sagen „Eigentlich bin ich mit dem Medium Internet überfordert.“, das sind über 13 Millionen Menschen. Von denen, die bislang nicht online sind, sind es sogar 87%, die sich überfordert fühlen. In Deutschland leben aktuell 22,5 Millionen Ü60 (Stichtag 31.12.2015, Quelle statista ,  27,4% der gesamten Bevölkerung). Eine beachtliche Menge, die sich in die „digitale Gesellschaft“ in Deutschland nicht eingeschlossen fühlt – zumal sie wirtschaftlich im Durchschnitt gut ausgestattet ist.

Das sind Ergebnisse der „Ü60-Studie – Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland„, die das „Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ (DIVSI) etwa zeitgleich mit der „D21 Digital Indix 2016“ für Deutschland vorlegt.

Die Studie kommt zu der positiven Erkenntnis, dass viele Übersechzigjährige die Bedeutung der „digitalen Gesellschaft“ allgemein und für sich persönlich erkannt hat. Auch dies ein Indikator dafür, dass das Internet in Deutschland „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist. Immerhin drei Millionen unter ihnen sind „souveräne Intensivnutzer“. Besonders interessant ist, dass bei 38% der Ü60 ein hohes weiteres Teilhabepotenzial an der digitalen Gesellschaft besteht.

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Eigene Darstellung auf Basis DIVSI (2016): Ü60-Studie – Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland, S. 77. https://www.divsi.de/wp-content/uploads/2016/10/DIVSI-UE60-Studie.pdf (letzter Zugriff am 4.12.2016)

 

Diese 8,6 Millionen Menschen in Deutschland könnten von den Vorteilen der digitalen Vernetzung profitieren, z.B.:

  • Sich schnell mit relevanten Informationen versorgen und auf dem „Stand bleiben“
  • Sich den Alltag erleichtern und dadurch Zeit sparen
  • Besser mit Familie und Freunden kommunizieren (inbesondere mit der Digital Natives der Enkelgeneration) und damit einer sozialen Isolation entgegen wirken
  • An gesellschaftlicher Meinungsbildung und politischen Prozessen, die mehr und mehr im digitalen Raum geführt werden, teilhaben
  • Von dem breiteren und günstigeren Online-Shopping-Angebot profitieren
  • Sich professionell stärken, um einen Job zu finden (immerhin steht die Rente mit 70 im Raum)
  • Durch bessere Unterhaltungsangebote mehr Spaß zu haben

Gründe für die geringe oder fehlende Nutzung digitaler Medien sind u.a. mangelndes Sicherheitsempfinden, mangelnde (empfundene) Kompetenz und mangelndes Vertrauen.

Es ist eine gemeinsame Aufgabe „alle“ auf dem Weg in die „digitale Gesellschaft“ mitzunehmen. Neben der Verstärkung von niederschwelligen Bildungsangeboten für die Ü60 gehören dazu aus meiner Sicht auch weitere ganz praktische Maßnahmen. Folgende möchte ich hiermit vorschlagen:

  • Ein „Digital buddy“-Netzwerk vor Ort, die ganz praktisch bei konkreten Problemen zeigen und helfen
  • Eine Plattform anbieten, die geprüft auf sichere und relevante Webseiten verweist
  • Webseitengestaltung, die auf Einschränkungen Rücksicht nimmt –  siehe z.B. auch Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0
  • Zusätzliche Hilfe auf anderen Kanälen (z.B. auch Skype, Whatsapp, Telefon), wenn man im Internet nicht mehr weiter weiß

Dabei ist nicht nur „die Politik“ gefordert oder das soziale Engagement der Zivilgesellschaft. Auch Unternehmen sind aufgefordert im Zuge der Digitalisierung eine „digitale gesellschaftliche Verantwortung“ zu übernehmen.

Und dabei würden sie neben aktiver digitaler Inklusion auch bisher ungenutzte Kundenpotenzialen auf den (effizienteren) Social Media Kanälen erschließen. Das ist eine Win-Win-Situation, ein „Business Case for Sustainability“.

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